Mathemacher des Monats April 2017

Mathe zählt, weil ...

Mathe Spaß macht und im Alltag wichtig ist.

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Am 30. März erhielt Sven de Vries bei einem Festakt im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin seine Preisurkunde überreicht.  (Foto: VBio/Peter Himsel)

Mal trägt Sven de Vries Kunstwerke durch die Gegend, mal erklärt er im Hörsaal Mathematik. Doch für den Mathematikprofessor von der Universität Trier zählt nicht etwa das eine als Hobby, das andere als Knochenjob. Beides zusammen ist Lehre, die begeistert. Zum Beispiel erstellten Studierende in seinem Seminar „Mathematik und Kunst“ interaktive Exponate auf der Basis mathematisch-geometrischer Prinzipien der Gestaltung, worüber sie zuvor theoretisierten. Ergebnis: die öffentliche Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“. Von der Hands-on-Lernerfahrung und der Anschaulichkeit profitierten Studierende und Besucher – nicht zuletzt auch Sven de Vries selbst: Er darf jetzt auch eine besondere Urkunde tragen, die ihn als Ars-legendi Fakultätenpreisträger 2017 im Fach Mathematik auszeichnet, siehe Foto. Erfahren Sie seine Gedanken rund ums Thema Lehre im Interview.

Herr de Vries, ein junger, talentierter Mensch möchte ein Studium beginnen. Mit welchem Argument würden Sie sie/ihn vom Mathestudium überzeugen wollen?

Wenn man bereits in der Schule Freude an Mathematik hatte, dann spricht vieles für ein Mathematikstudium. Am Ende eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums der Mathematik stehen gute Berufsaussichten in vielen Tätigkeitsbereichen bei starkem Arbeitsmarkt; man könnte also sagen, es ist ein lohnendes Studium für die Zeit danach! Wichtiger jedoch ist es meiner Meinung nach, dass das Mathestudium faszinierend und spannend ist und es erlaubt, Dingen durch die Bearbeitung herausfordernder Aufgaben in kleinen Teams wirklich auf den Grund zu gehen. Ein weiteres Plus des Mathestudiums ist die normalerweise sehr gute Betreuungsrelation.

Was ist für Sie gute Lehre?

... nie fertig!

Heißt das, die Lehre an deutschen Hochschulen sollte verbessert werden?

Ich glaube, dass Lehre immer verbessert werden kann. Das jedoch nicht etwa, weil ich den Zustand aktueller Lehre kritisieren möchte. Vielmehr darf gute Lehre nicht im "luftleeren Raum" betrachtet werden; Sie ist im Idealfall die Optimalantwort auf die gegenwärtigen Rahmenbedingungen, könnte aber schon in der nächsten Sekunde, wenn sich der Rahmen ändert, ziemlich unpassend sein. Insofern muss gute Lehre immer den Dialog mit den Teilnehmer_innen suchen und darauf reagieren.

Wie kann das gelingen?

Ich denke, gute Lehre kann nur in Interaktion mit den Teilnehmer_innen entstehen. Sie erfordert ständiges Reflektieren des persönlich gerade gewählten Lehrstils ebenso wie die Bereitschaft, die eigene Lehrmethode immer wieder in Frage zu stellen. Jegliche Lehre ist nur eine Momentaufnahme im Prozess der Lehrentwicklung der/des Lehrenden. Persönlich macht es mir auch immer wieder (subversiven) Spaß, Ausstellungsbesucher mit einem neuen Objekt zu begeistern, ohne dass sie einen offensichtlichen Mathebezug bemerken.

Was sind Ihre zukünftigen Pläne oder Projekte in der Lehre?

Ich möchte meine eigene Lehre gerne immer weiterentwickeln. Es würde mich freuen, wenn es mir gelänge, weiterhin einige faszinierende mathematische Phänomene durch Exponate „erFassbar“ zu machen und schön auszustellen. Dreimal schon habe ich zusammen mit Frau Schröder vom Ada-Lovelace-Projekt der Uni Trier "Mathematik zum Anfassen" aus Gießen um eigene Exponate erweitert ausgestellt. Nun ist es das Ziel hier, in Trier eine eigene Ausstellung "Mathe erFassen" weiter aufzubauen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei, Herr de Vries. Vielen Dank für das Gespräch.