Mathematik zählt, weil ...

– wie Galilei gesagt hat – das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist.

W Scharlau

(Foto: privat)

Winfried Scharlau, ein Doktorsohn von Friedrich Hirzebruch, ist in Fachkreisen für seine Arbeiten in der Zahlentheorie bekannt, die an seiner langjährigen Arbeitsstätte, der Universität Münster, entstanden sind, sowie als ehemaliger Präsident der DMV - er leitete den Verein in den Jahren 1991/92. Doch das ist nicht alles: Scharlau hat auch zwei Romane geschrieben: I megali istoria (die große Geschichte) und Scharife – und bedeutende Mathematiker-Biographien zum Beispiel über den Braunschweiger Mathematiker Dedekind und den geheimnisumwitterten Alexander Grothendieck. Scharlau, seit nunmehr 11 Jahren emeritiert, dient seinem Fach auch heute noch als Biograph. Gerade erschien sein jüngstes Werk bei SpringerSpektrum: „Das Glück, Mathematiker zu sein – Friedrich Hirzebruch und seine Zeit“. Grund genug, Winfried Scharlau zum Mathemacher des Monats zu machen und ihn kurz zu interviewen. Thomas Vogt vom DMV-Medienbüro sprach mit ihm.

Auf welchen mathematischen Teilgebieten haben Sie hauptsächlich geforscht?

Algebra, Zahlentheorie, insbesondere Theorie der quadratischen Formen.

Hatten Sie schon immer ein mathematik-historisches Interesse und wann fingen Sie an, mathematik-historisch zu arbeiten?

Mich haben vor allem Mathematiker interessiert und weniger die Ideengeschichte der Mathematik. Insofern bin ich eigentlich gar kein richtiger Mathematik-Historiker. Mein Interesse begann etwa 1980 mit Arbeiten zu Dedekind, an dessen 150. Geburtstag erinnert werden sollte.

Welche Mathematiker-Persönlichkeiten haben Sie besonders in ihren Bann gezogen?

Cardano, Dedekind, Dirichlet, Grothendieck, Hirzebruch, Tits.

Wollten Sie schon länger eine Biographie über Hirzebruch schreiben, oder war das eine Idee des Verlags?

Ehrlich gesagt, kam mir die Idee am Tag von Hirzebruchs Beerdigung, als so viele Menschen aus aller Welt sich um sein Grab versammelten und vielfältige Erinnerungen aus der Vergangenheit wach wurden, die alle diesen großartigen Mathematiker und wunderbaren Menschen Hirzebruch betrafen.

Daher auch die Idee nicht nur Hirzebruch, sondern auch seine Zeit vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen zu lassen?

Genau. Das bot sich hier perfekt an. Hirzebruch war eben nicht nur ein weltweit wirkender Mathematiker sondern auch – um im Bild zu bleiben – prägend für die Wiederauferstehung der Mathematik in Deutschland in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er hat dieser als erster nach dem Krieg internationale Sichtbarkeit gegeben.

Wie sind Sie bei der Biographie über Hirzebruch vorgegangen und wie sind Sie an diesen seltenen, teils sehr privat anmutenden, Fotoschatz gekommen?

Die Arbeit verlief ziemlich zufällig. Je nachdem wie ich an Informationen oder Dokumente kommen konnte, mit welchen Personen ich sprechen oder korrespondieren konnte und oft auch, wie mir gerade der Sinn stand, habe ich mal da und mal dort etwas aufgeschrieben und im Verlauf der Arbeit zusammengefügt. Für fast alle Fotos gibt es Quellenangaben. Die meisten wurden mir von Frau Hirzebruch zur Verfügung gestellt; viele habe ich im Laufe der Jahrzehnte selbst gemacht; viel schwirrt heutzutage auch im Internet herum. Übrigens habe ich alle Fotos bearbeitet, um ein technisch einigermaßen akzeptables Ergebnis zu erzielen. Das ist nicht immer so gelungen, wie ich es mir gewünscht hätte. Auf dem Gebiet bin ich einfach kein Profi! (lacht)

Haben Sie weitere Biographien geplant oder in Arbeit oder was machen Sie sonst noch so, nun, da Sie emeritiert sind?

Es ist nichts Größeres geplant und wäre wohl auch gar nicht mehr zu schaffen, denn das "nun" in Ihrer Frage muss man etwas modifizieren: ich wurde ja schon vor mehr als 11 Jahren emeritiert. Allerdings habe ich eine große Sammlung von (selbst gemachten) Fotos von Mathematikern, und diese Sammlung würde ich gerne noch ergänzen.

Hier an der Wand hängen aber nur Fotos von Vögeln ...

(lacht) Ja, Vogelbeobachtung und -fotografie ist auch so ein Hobby von mir!

Das Buch „Das Glück, Mathematiker zu sein – Friedrich Hirzebruch und seine Zeit“ können Sie in der Buchhandlung bestellen oder direkt bei Springer über diesen Link.