Internationale Mathematik-Preise

Als der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896) die Nobelpreise stiftete, wurde die Mathematik nicht berücksichtigt. Über Gründe dafür lässt sich nur spekulieren. Jedenfalls gab es in der Folge verschiedene Initiativen, die einen bedeutenden Preis für Höchstleistungen in Mathematik forderten. Aus diesem Wunsch heraus entstand in den 1930er Jahren die Fieldsmedaille, dann der Abel-Preis, der seit 2003 verliehen wird und jüngst (2010) die Chern-Medal. Mit der wachsenden Bedeutung der Mathematik für Alltag und Anwendung entstanden weitere Preise für angewandte Bereiche, wie der Carl-Friedrich-Gauß-Preis und der Rolf Nevanlinna-Preis. Weitere Details unten.

Abel-Preis

Der jährliche Abel-Preis gilt - neben den Fields-Medaillen, die höchstens alle vier Jahre vergeben werden - als bedeutendste Auszeichnung für Mathematiker/innen. Der Abel-Preis wird seit dem Jahr 2003 für grundlegende Beiträge zur Mathematik vergeben, die das Fach nachhaltig geprägt haben. Der Preisträger oder die Preisträgerin wird von der Norwegischen Akademie für Natur- und Geisteswissenschaften (The Norwegian Academy of Science and Letters) meistens im März eines jeden Jahres bekannt gegeben. Der Preis selbst wir dann im Mai von einem Angehörigen des norwegischen Königshauses bei einer feierlichen Zeremonie in Oslo überreicht. Das Preisgeld beträgt 6 Millionen Norwegische Kronen (etwa 750.000 €).

Abel-Preisträger 2015: John F. Nash und Louis Nirenberg

Abel-Preisträger 2014: Yakov G. Sinai

Abel-Preisträger 2013: Pierre Deligne

Informationen zum Abel-Oreis und früheren Preisträgern hier.

Carl-Friedrich-Gauß-Preis

Mit dem Carl-Friedrich-Gauß-Preis werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, deren mathematische Forschung besonders auf Bereiche außerhalb der Mathematik ausstrahlt – sei es auf aktuelle Technologiefelder, auf die Wirtschaft oder unseren Alltag. Der Gauß-Preis wird von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) und von der International Mathematical Union (IMU) gemeinsam alle vier Jahre auf den Internationalen Mathematiker-Kongressen (ICM) vergeben. Der Gauß-Preis wurde erstmals 2006 an den Japaner Kiyosi Itô verliehen. Er besteht aus einer Medaille und einem Preisgeld von 10.000 Euro.

Carl Friedrich Gauß (1777-1855) war einer der ersten Mathematiker, der die Verknüpfung von Praxis und Theorie erfolgreich umsetzte. Er revolutionierte nicht nur die Mathematik, sondern auch zahlreiche andere Bereiche. Rund 30 Methoden und Ideen sind nach ihm benannt, unter anderem die Gaußsche Glockenkurve (Gauß-Verteilung), die Gaußsche Osterformel und der “kleine Gauß” (Gaußsche Summenformel), eine Formel, die er bereits mit neun Jahren für die Addition einer Reihe fand.

Chern-Medaille

Die Chern-Medaille wird von der Chern Medal Foundation gestiftet und wurde erstmals am 19. August 2010 auf dem internationalen Mathematikerkongress (ICM) verliehen. Der Preis wurde in Erinnerung an den herausragenden Mathematiker Shiing-Shen Chern geschaffen, um an seine bedeutenden Leistungen insbesondere im Bereich der Geometrie zu erinnern. Für die Auszeichnung mit der Chern-Medaille kommen Personen in Betracht, deren mathematische Lebensleistung höchste Anerkennung verdient.

Der Preis besteht aus einer Medaille und einem Preisgeld in Höhe von 500.000 US-Dollar, wobei die Hälfte des Geldpreises einer Organisation zur Förderung der Mathematik gestiftet werden muss. Die finanzielle Ausstattung des Preises erfolgt durch die Chern Medal Foundation (CMF), die durch Stiftungen der S. S. Chern Foundation for Mathematical Research und der Simons Foundation ins Leben gerufen wurde. Die Chern-Medaille wird auf der Eröffnungsfeier des Internationalen Mathematikerkongresses (alle vier Jahre) verliehen.

Fields-Medaille

Die Fields-Medaille wurde zum ersten mal 1936 verliehen und ist die höchste Auszeichnung, die ein junger Mathematiker oder eine junge Mathematikerin bekommen kann. Mit der Fields-Medaille werden alle vier Jahre auf dem ICM bis zu vier Preisträger(innen) ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise auf dem Gebiet der mathematischen Forschung hervorgetan haben. Die Fields-Medaille darf nur an Personen verliehen werden, die nicht älter als 40 Jahre sind. Ziel ist, sie trotz der „Anerkennung bereits getaner Arbeit“ (John Charles Fields) zu motivieren, weiter zu forschen. Zur Auszeichnung gehören eine geprägte Medaille aus massivem Gold und ein Preisgeld von 15.000 Kanadischen Dollar.

Der Mathematiker John Charles Fields versuchte in seinen letzten Lebensjahren die Auszeichnung zu etablieren, doch erst nach seinem Tod 1932 wurde sie tatsächlich ins Leben gerufen. Fields hatte der geplanten Stiftung 47.000 Kanadische Dollar vermacht. Die ersten beiden Medaillen wurden dann 1936 verliehen. Das Design der Medaille, an dem auch Fields mitarbeitete, wurde 1933 von dem kanadischen Bildhauer Robert Tait McKenzie gestaltet.

Zu den Preisträgern zählt z.B. Jean Pierre Sarre, der mit 27 Jahren der bisher jüngste Preisträger ist. Der bisher einzige deutsche Preisträger ist Gerd Faltings.

Die Preisträger/innen des Jahrs 2014

Die Preisträger des Jahrs 2010

Allgemeine Informationen zum Preis (in englischer Sprache)
http://www.mathunion.org/general/prizes/fields/details/
http://www.fields.utoronto.ca/aboutus/jcfields/fields_medal.html

Rolf Nevanlinna-Preis

Mit dem Nevanlinna-Preis werden herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Informatik ausgezeichnet. Der Preis ist nach dem finnischen Mathematiker Rolf Herman Nevanlinna benannt und besteht aus einer Goldmedaille und einem Preisgeld von 10.000 Euro (2010). Seit 1982 wird er auf dem Internationalen Mathematikerkongress IMU (alle vier Jahre) verliehen.

Preisträger früherer Jahre (in englischer Sprache)
http://www.mathunion.org/general/prizes/nevanlinna/prize-winners/

Wolf-Preis

Seit 1978 werden alljährlich fünf bis sechs Preise verliehen – vier in naturwissenschaftlichen Bereichen und einer in einem künstlerischen Bereich. Die naturwissenschaftlichen Preise werden in Landwirtschaft, Chemie, Mathematik, Physik und Medizin vergeben. Der Preis für jeden Bereich beträgt 100.000 US-Dollar. Stifter ist die Die Wolf-Stiftung (Wolf Foundation), eine staatliche israelische Stiftung, die sich der Förderung außergewöhnlicher Leistungen in den Bereichen der Wissenschaft und der Kunst widmet. Die Stiftung wurde im Jahr 1976 von Dr. Ricardo Wolf (1887-1981) gegründet, einem in Deutschland geborene Juden, der als Botschafter Kubas in Israel gedient hat.

Informationen zu Wolf-Stiftung, -Preis und –Preisträgern in englischer Sprache:
http://www.wolffund.org.il/index.php?dir=site&page=content&cs=3044&langpage=eng