Mathemacher-Team des Monats Juni 2012 ist

 
das Mathe-für-alle-Team der TU Dortmund

Mathe-fur-alle-Team
(v.l.n.r) Lara Sprenger, Prof. Dr. Susanne Prediger und Susanne Schnell
(Foto: privat)

Ihr Motto:
"Mathematik zählt für alle - deshalb qualifizieren wir Lehrkräfte, dieses Fach den Schülerinnen und Schülern verständlich näher zu bringen."

Das Mathe-für-alle-Team am Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts (IEEM) in Dortmund (für das stellvertretend Susanne Prediger, Susanne Schnell und Lara Sprenger geehrt werden) stellt jährlich seit 2006 und somit in diesem Jahr zum siebten Mal die spannende Tagung „Mathe für alle" für Mathematiklehrkräfte, -Referendare und -Studierende in Dortmund auf die Beine. Die Stimmung in Dortmund war im letzten Jahr mitreißend: Viele motivierte Kollegen, spannende Gespräche, gute Ideen! „Wir rechnen wieder mit 500 Teilnehmern!", sagen die drei Organisatorinnen. Stephanie Schiemann vom Netzwerkbüro Schule-Hochschule sprach mit ihnen.

Die „Mathe-für-alle"-Tagung findet dieses Jahr am 29. September an der TU Dortmund statt. Was zeichnet diese Tagung aus? Wer kommt?
Jährlich finden sich auf der Tagung „Mathe für alle" ca. 500 Lehrkräfte und Multiplikatoren zusammen, um an einem Samstag neue Ideen über den Mathematikunterricht aufzunehmen und sich mit Kolleginnen und Kollegen über die eigenen Erfahrungen und/oder neue Unterrichtsansätze für den Mathematikunterricht der Sekundarstufe auszutauschen. Das Publikum ist bunt gemischt: vom Oberstudienrat am Gymnasium über die Lehramtsanwärterin an der Hauptschule und die Fachleiterin am Studienseminar bis hin zum Mathematikstudenten. Die meisten Teilnehmenden kommen aus dem Ruhrgebiet, aber einige reisen auch aus Ostwestfalen, Hessen oder Bremen an.

Wo liegt der inhaltliche Schwerpunkt der Mathe-für-alle-Tagung?
Die Inhalte der Tagung orientieren sich immer an aktuellen Themen rund um den Mathematikunterricht in der Sekundarstufe. In diesem Jahr geht es im Hauptvortrag von Bärbel Barzel zum Beispiel um die Vielfalt von Zugängen zur Mathematik und wie man damit produktiv umgehen kann. In Vorträgen und Workshops kann man sich aktiv mit weiteren inhaltlichen und prozessbezogenen Themen auseinandersetzen wie z. B. sinnstiftende Zugänge zu Funktionen, Daten und Zufall, produktives Üben oder das Thema Motivation. Dass wir damit das Interesse der Lehrerinnen und Lehrer treffen, sehen wir auch daran, wie schnell sich die Anmeldung füllt. Es freut uns besonders, dass die Teilnehmenden freiwillig einen Samstag mit uns verbringen und wir tun alles, dass sie dies nicht bereuen.

Wie kann man sich informieren/anmelden?
Aktuelle Informationen werden immer auf der Tagungswebsite veröffentlich oder über den Mailverteiler gepostet, zu dem man sich auf der Website anmelden kann. Im Moment wird gerade das endgültige Programm zusammengestellt, werden Absprachen mit den ausstellenden Verlagen getroffen. Die Anmeldungsphase liegt in den zwei Wochen nach den Sommerferien in NRW, also vom 20.08. bis 01.09. Dieses Jahr haben wir FAQs zusammengestellt. Dort kann man sich auch für den Mailverteiler anmelden und bekommt dann eine Benachrichtigung, wenn das Programm steht und die Anmeldung startet.

Wie kam es zu der Tagungsidee „Mathe für alle"? Waren Sie von Anfang an alle drei im Boot? Berichten Sie doch bitte ein wenig von der Entstehung und Entwicklung...
„Mathe für alle" gibt es ja schon seit sechs Jahren. Von den mathe-2000-Symposien, die das IEEM seit 25 Jahren für die Grundschule austrägt, haben ursprünglich Stephan Hußmann und Susanne Prediger die Idee übernommen, Theorie und Praxis regelmäßig in produktiven Kontakt zu bringen: wir bringen aktuelle Forschungsergebnisse an die Lehrerinnen und Lehrer und profitieren von ihren Erfahrungen, Anregungen und Wünschen. Die Resonanz war von Anfang an positiv. Auch erfahrene Praktikerinnen nutzen die Chance, mit ihren Kolleginnen und Kollegen neue Ideen zu diskutieren. Die Tagung wurde von Stephan Hußmann und Conny Walzebug initiiert und wird von unserer ganzen Arbeitsgruppe getragen: Jeder leistet einen tollen Beitrag, neben der normalen Arbeit. Wir drei stehen nur stellvertretend für unsere vielen aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere die letztjährigen Tagungsleitungen Florian Schacht, Michael Meyer, Vanessa Richter und Larissa Zwetzschler.

Gibt es ein ähnliches Angebot auch weiter für die Grundschule?
Ja, für den Schwerpunkt Grundschule findet meistens eine Woche vorher eine Tagung statt, organisiert von unseren Kollegen aus der Arbeitsgruppe Primarstufe, dieses Jahr am 22.09.2012. Dieses Jahr ist der Titel „25 Jahre mathe-2000".

Was machen Sie sonst noch so? Bitte äußern Sie sich alle drei kurz dazu...
Prof. Dr. Susanne Prediger lebt mit ihrer Familie in Dortmund. Sie reist viel und geht gern ins Theater. Als Professorin für Mathematikdidaktik erforscht sie, wie Schülerinnen und Schüler Mathematik gut verstehen können. Dafür hat sie als Lehrerin an Gesamtschulen in Darmstadt und Bremen einiges von ihren Schülerinnen und Schülern gelernt. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht sie in Fachzeitschriften für Lehrkräfte und in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Journals.

Susanne Schnell hat Mathematik und Geschichte für Sekundarstufe I studiert. Sie schreibt gerade ihre Doktorarbeit im Entwicklungs- und Forschungsprojekt „Kontexte für sinnstiftendes Mathematiklernen" (KOSIMA) bei Susanne Prediger. Dabei beschäftigt sie sich mit der Entwicklung von Vorstellungen von Lernenden zum Phänomen Zufall in der 6. Klasse. Sie ist immer wieder fasziniert davon, wie bereits so junge Schülerinnen und Schüler sich grundlegende Konzepte der Stochastik aneignen können, wenn sie von einer geeigneten Lernumgebung unterstützt werden. Weiterhin arbeitet sie in dem Projekt dortMINT, einem Projekt zur MINT-Lehrerausbildung. Hier bemüht sie sich, mehr Studierende für das Lehramt mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern für die Sekundarstufe I zu werben.

Lara Sprenger hat Mathematik und Sport für die Grundschule studiert. Sie arbeitet in dem Projekt der Deutschen Telekom Stiftung „Mathe sicher können", bei dem Unterrichtsstrukturen, -konzepte und -materialien für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler und deren Lehrkräfte entwickelt und erforscht werden. Lara Sprenger ist im Bereich der Entwicklung und Erforschung von Diagnose- und Fördermaterialien tätig und promoviert derzeit zum Thema „Vorstellungsentwicklung im Bereich der Dezimalzahlen" bei Stephan Hußmann.

Abschließend interessiert mich, wie Sie selbst für die Mathematik-Didaktik motiviert wurden? Gibt es dort vielleicht eine kleine Geschichte aus der Jugend oder gar Kindheit?
Ja, ein schlechter Mathematiklehrer in der Klasse 7/8 hat mich (Susanne Prediger) für die Didaktik interessiert. Er sagte auf jede tiefergehende Frage, „Das müsst ihr mir schon glauben Kinderchen, das ist halt so!" Schon damals dachte ich, dass es doch bessere Verstehensangebote geben müsse, als dieser Lehrer uns bietet, und dass alle Lehrkräfte sie kennen sollten...