Mathemacher des Monats März 2017

Mathe zählt, weil...

Wortspiele für Linguisten wie mich immer interessant sind... Und natürlich, weil Mathe das Denken allgemein schult und hilft, komplexe Zusammenhänge zu verstehen sowie Probleme kreativ zu lösen.

Regine Brandtner DZLM Teaser

Foto: Melanie Kahl für das DZLM, "Eine Linguistin im Meer der Mathelehrer"

Mathemacherin des Monats März 2017 ist Regine Brandtner vom Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM). Seit 2015 leitet Regine Brandtner die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DZLM. Im Vorfeld der Jahrestagung der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik, die gerade vom 27. Februar bis 3. März in Potsdam stattfindet, trafen wir die promovierte Linguistin und Literaturwissenschaftlerin und fragten sie, wie sie damals zum DZLM gefunden hat, wie sich das DZLM aus ihrer Sicht im letzten Jahr entwickelt hat und wie das DZLM auf der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik in Erscheinung tritt.

Hatten Sie schon als junger Mensch Interesse an Mathematik oder kam das erst später?

Ich war die klassische "Mädchen sind in Sprachen gut"-Schülerin, obwohl meine Mutter eigentlich auch ein Zahlenmensch ist. Mathe ist erst recht spät durch einen großartigen Lehrer mehr in den Fokus gerückt, Peter Wender am Humboldt-Gymnasium in Ulm. Er ist einfach wahnsinnig kreativ in seiner Unterrichtsgestaltung – da gab es dann auch mal MacGyver-Aufgaben – und dabei ein sehr authentischer Typ, der uns viel zugetraut hat. Auf meinen Job am DZLM hat er zum Beispiel so reagiert: "Wer hätte gedacht, dass DU mal was mit Mathe machst (ich natürlich!)." Ich denke, man kann die Bedeutung guter Lehrerinnen und Lehrer gar nicht genug betonen.

Gleichwohl haben Sie dann Linguistik und Literatur studiert. Wie haben Sie dann zum DZLM gefunden?

Ja, Literatur war einfach seit langem gesetzt. Die Linguistik hat sich mit ihrem hohen Anteil an Logik und Formeln dann aber als mathematischer herausgestellt als gedacht. Das analytische Denken und Problemlösen dabei hat mich am Ende dann tatsächlich mehr gereizt. Mit meinem Doktorvater Klaus von Heusinger zusammen habe ich mich dann neben der Promotion viel mit der Außendarstellung unseres Fachs beschäftigt, was mich schließlich zur Wissenschaftskommunikation und über verschiedene Stationen, zum Beispiel beim ZEIT Verlag, schließlich zum DZLM brachte.

Über die Anfänge des DZLM haben wir ja schon im Jahr 2014 vom Geschäftsführer des DZLM einiges gehört. Was sind Ihre Aufgaben im DZLM und was sind 2017 die großen Themen?

Ich koordiniere die externe und interne Kommunikation am DZLM, das heißt ich vernetze einerseits die DZLM-Mitglieder an unseren acht bundesweit verteilten Standorten und in allen Bundesländern, zum Beispiel durch Formate wie unseren "Gemeinsamer Nenner"-Newsletter. Andererseits versuche ich, unsere Arbeit zu Mathematikfortbildungen und -unterricht bekannter und anschaulicher zu machen, zum Beispiel auf Tagungen, unserer Webseite und den Social-Media-Kanälen, durch Informationsmaterial, Pressemitteilungen oder Interviewpartner.

Mein Ziel dabei ist, unsere Themen mehr ins Bewusstsein zu rücken, zum Beispiel mehr Freiräume für professionelle Kooperationsformen im Kollegium zu schaffen und besonders diejenigen Lehrerinnen und Lehrer langfristig zu qualifizieren und zu unterstützen, die andere im Fach Mathematik fortbilden und beraten. Wir sprechen hier von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Regine Brandtner DZLM

Foto: Melanie Kahl für das DZLM

Welche Maßnahmen sind hier geplant?

Mit dem Start des bundesweit ersten berufsbegleitenden Masterstudiengangs speziell für diese Zielgruppe sind wir da im Herbst 2016 einen großen Schritt weitergekommen. Darüber hinaus haben wir aktuelle Fokusthemen festgelegt, zu denen wir unsere Erfahrung stärker bündeln wollen – zum Beispiel Sprachförderung, digitale Medien oder Heterogenität im Matheunterricht. Im Sommer geben wir zu diesen Themenfeldern forschungsbasierte Fortbildungsmaterialien heraus. Mit diesen kommentierten Modulen wollen wir Multiplikatorinnen und Multiplikatoren noch besser in ihrer wichtigen Arbeit unterstützen – und ergänzen damit unser Angebot an Fortbildungsreihen und Selbstlernplattformen.

Momentan hat ja die Gesellschaft für Didaktik der Mathematik ihre Jahrestagung in Potsdam. In welcher Form bringt sich das DZLM dort ein?

Die Universität Potsdam ist einer unserer acht Standorte, ich freue mich, dass meine DZLM-Kollegen Ulrich Kortenkamp und Christian Dohrmann die Tagung in diesem Jahr organisieren (nächstes Jahr ist dann unser Paderborner Standort dran). Wir werden mit einem Infostand vor Ort sein und wollen die Gelegenheit wieder für den Austausch nutzen – am Lehrertag, an dem wir verschiedene Workshops und einen Vortrag anbieten, aber auch in unseren beiden Sektionen zu Fortbildungen im Primar- und Sekundarbereich. Alle DZLM-Beiträge findet man hier.

Wann und wo begeht das DZLM dieses Jahr seine Jahrestagung und auf welche Programmhöhepunkte können sich die Lehrer und Lehrerinnen dort freuen? Können sich Interessierte noch anmelden?

Unsere mittlerweile sechste Jahrestagung findet dieses Mal am 23. September 2017 in Saarbrücken statt, gemeinsam mit dem 7. Tag des Mathematikunterrichts an der Universität des Saarlandes. Die Anmeldung ist ab April möglich. Aber auch für unsere kostenlosen Bundestagungen speziell für den Primar- und den Sekundarbereich im Mai und Juni gibt es noch ein paar Plätze. Besonders wichtig ist uns bei diesen Formaten, den Austausch zwischen Forschung und Praxis weiter zu stärken – auch über Bundesländergrenzen hinweg: Was brauchen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, wie können wir sie noch besser unterstützen, was können wir voneinander lernen? Auch in die neuen Fortbildungsmaterialien kann man dort Einblicke bekommen. Alle Veranstaltungen findet man hier.

Mathemacher des Monats Februar 2017

Mathematik zählt, weil ...

– wie Galilei gesagt hat – das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist.

W Scharlau

(Foto: privat)

Winfried Scharlau, ein Doktorsohn von Friedrich Hirzebruch, ist in Fachkreisen für seine Arbeiten in der Zahlentheorie bekannt, die an seiner langjährigen Arbeitsstätte, der Universität Münster, entstanden sind, sowie als ehemaliger Präsident der DMV - er leitete den Verein in den Jahren 1991/92. Doch das ist nicht alles: Scharlau hat auch zwei Romane geschrieben: I megali istoria (die große Geschichte) und Scharife – und bedeutende Mathematiker-Biographien zum Beispiel über den Braunschweiger Mathematiker Dedekind und den geheimnisumwitterten Alexander Grothendieck. Scharlau, seit nunmehr 11 Jahren emeritiert, dient seinem Fach auch heute noch als Biograph. Gerade erschien sein jüngstes Werk bei SpringerSpektrum: „Das Glück, Mathematiker zu sein – Friedrich Hirzebruch und seine Zeit“. Grund genug, Winfried Scharlau zum Mathemacher des Monats zu machen und ihn kurz zu interviewen. Thomas Vogt vom DMV-Medienbüro sprach mit ihm.

Auf welchen mathematischen Teilgebieten haben Sie hauptsächlich geforscht?

Algebra, Zahlentheorie, insbesondere Theorie der quadratischen Formen.

Hatten Sie schon immer ein mathematik-historisches Interesse und wann fingen Sie an, mathematik-historisch zu arbeiten?

Mich haben vor allem Mathematiker interessiert und weniger die Ideengeschichte der Mathematik. Insofern bin ich eigentlich gar kein richtiger Mathematik-Historiker. Mein Interesse begann etwa 1980 mit Arbeiten zu Dedekind, an dessen 150. Geburtstag erinnert werden sollte.

Welche Mathematiker-Persönlichkeiten haben Sie besonders in ihren Bann gezogen?

Cardano, Dedekind, Dirichlet, Grothendieck, Hirzebruch, Tits.

Wollten Sie schon länger eine Biographie über Hirzebruch schreiben, oder war das eine Idee des Verlags?

Ehrlich gesagt, kam mir die Idee am Tag von Hirzebruchs Beerdigung, als so viele Menschen aus aller Welt sich um sein Grab versammelten und vielfältige Erinnerungen aus der Vergangenheit wach wurden, die alle diesen großartigen Mathematiker und wunderbaren Menschen Hirzebruch betrafen.

Daher auch die Idee nicht nur Hirzebruch, sondern auch seine Zeit vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen zu lassen?

Genau. Das bot sich hier perfekt an. Hirzebruch war eben nicht nur ein weltweit wirkender Mathematiker sondern auch – um im Bild zu bleiben – prägend für die Wiederauferstehung der Mathematik in Deutschland in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er hat dieser als erster nach dem Krieg internationale Sichtbarkeit gegeben.

Wie sind Sie bei der Biographie über Hirzebruch vorgegangen und wie sind Sie an diesen seltenen, teils sehr privat anmutenden, Fotoschatz gekommen?

Die Arbeit verlief ziemlich zufällig. Je nachdem wie ich an Informationen oder Dokumente kommen konnte, mit welchen Personen ich sprechen oder korrespondieren konnte und oft auch, wie mir gerade der Sinn stand, habe ich mal da und mal dort etwas aufgeschrieben und im Verlauf der Arbeit zusammengefügt. Für fast alle Fotos gibt es Quellenangaben. Die meisten wurden mir von Frau Hirzebruch zur Verfügung gestellt; viele habe ich im Laufe der Jahrzehnte selbst gemacht; viel schwirrt heutzutage auch im Internet herum. Übrigens habe ich alle Fotos bearbeitet, um ein technisch einigermaßen akzeptables Ergebnis zu erzielen. Das ist nicht immer so gelungen, wie ich es mir gewünscht hätte. Auf dem Gebiet bin ich einfach kein Profi! (lacht)

Haben Sie weitere Biographien geplant oder in Arbeit oder was machen Sie sonst noch so, nun, da Sie emeritiert sind?

Es ist nichts Größeres geplant und wäre wohl auch gar nicht mehr zu schaffen, denn das "nun" in Ihrer Frage muss man etwas modifizieren: ich wurde ja schon vor mehr als 11 Jahren emeritiert. Allerdings habe ich eine große Sammlung von (selbst gemachten) Fotos von Mathematikern, und diese Sammlung würde ich gerne noch ergänzen.

Hier an der Wand hängen aber nur Fotos von Vögeln ...

(lacht) Ja, Vogelbeobachtung und -fotografie ist auch so ein Hobby von mir!

Das Buch „Das Glück, Mathematiker zu sein – Friedrich Hirzebruch und seine Zeit“ können Sie in der Buchhandlung bestellen oder direkt bei Springer über diesen Link.