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THEMA: Abelpreis 2017 für Yves Meyer

Abelpreis 2017 für Yves Meyer 3 Monate 1 Woche her #688

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Der Abelpreis 2017 geht an Yves Meyer von der École normale supérieure Paris-Saclay. Das verkündete am Vormittag (21. März) die Norwegische Akademie der Wissenschaften. Meyer wird der Preis „für seine zentrale Rolle bei der Entwicklung der mathematischen Theorie der Wavelets“ zugesprochen. Überreicht wird der Preis bei einer festlichen Zeremonie am 23. Mai in Oslo.

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Yves Meyer erhält den Abelpreis 2017
(Foto: B. Eymann/Académie des sciences)

Mitte der 1980er Jahre begann Meyer seine Forschung zu Wavelets – kompakte, einfach strukturierte Schwingungsfunktionen, die als elementare Bausteine für komplizierte Signale dienen. Ähnlich wie bei der Fourier-Synthese kommt auch beim Wavelet-Verfahren ein kompliziertes Signal durch eine schlichte Verknüpfung von Elementarfunktionen zustande, die sich untereinander nur in wenigen Merkmalen unterscheiden. Und doch ist das Verfahren ein mächtiges Werkzeug: Damit werden Bilddaten komprimiert und analysiert, Rauschen in Musikdateien reduziert, Astronomen nutzten Wavelets um Gravitationswellen zu messen.

Fraglich war, ob man Wavelet-artige Elementarfunktionen finden kann, woraus sich alles andere konstruieren lässt. Bei Fouriers Verfahren bilden ausgedehnte Sinus- und Kosinusfunktionen die Basis, es variiert die Frequenz, nicht die Lage. Anders musste dies bei räumlich kompakten Wavelets sein, die sich auch bei Verschiebung stark unterscheiden. Es war Meyer, der erstmals eine „orthonormale Basis“ aus Wavelets präsentierte. Später beschrieb er gemeinsam mit Kollegen auch ein verlässliches Verfahren zur Konstruktion einer solchen und leistete damit einen wegbereitenden Beitrag in der Theorie der Wavelets.
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Graph eines Meyer-Wavelets (Quelle: wikicommons)

Meyer, 77, trug auch zur Mathematik von Quasikristallen, Zahlentheorie und der Untersuchung der Navier-Stokes-Gleichungen bei. Für die Akademie ist er damit ein würdiger Träger des Abelpreises, der zu den bedeutendsten Auszeichnungen in der Mathematik zählt und mit sechs Millionen Norwegischen Kronen (etwa 675.000 €) dotiert ist.
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