Seit Jahrhunderten gibt es Brett- und Gesellschaftsspiele mit mathematischem Hintergrund. Auch heutzutage enthalten viele Spiele jede Menge Mathematik. An dieser Stelle möchten wir sukzessive Klassiker und Neuheiten auf dem Gebiet der mathematischen Spiele vorstellen. Dabei möchten wir den Schwerpunkt zunächst auf Gesellschaftsspiele legen. Die Auswahl ist willkürlich. Auswahlkriterien sind für uns Qualität und "mathematischer Anspruch", aber auch Unterhaltsamkeit.
Rezensent dieser Spiele ist der Mathematiker Dr. Falk Ebert vom Berliner DFG Forschungszentrum MATHEON.

 
High Five!
High Five

Das Spiel:
Man werfe die Scrabble-, Kniffel-  und Pokerregeln in einen Topf, schüttle kräftig, gebe dem Ganzen einen Namen und heraus kommt High Five! Bei diesem Legespiel für 2 bis 4 Personen ist das Ziel, seine Zahlenkärtchen möglichst günstig in die bereits ausliegenden Kärtchen einzureihen, damit sich eine neue Fünferreihe oder -spalte ergibt, die dann je nach gelegter Kartenkombination unterschiedlich viele Punkte bringt.

Der Ablauf:
Niels van Teijlingens High Five! bringt nichts großartig neues mit sich. Das Legen von kleinen quadratischen Plättchen auf ein Raster ist seit Jahrzehnten ein Spiele-Klassiker. Dieses Mal sind es Zahlen statt Buchstaben - aber diese Umstellung macht wohl kaum jemandem Probleme. Im Gegensatz zu Scrabble gestaltet sich die Wertung aber einfacher. Vorbei ist das Streiten, ob es sich bei einem Wort nun um ein zulässiges Wort handelt oder nicht. In jeder Runde wird eine Reihe oder Spalte aus genau fünf Karten gewertet, von denen mindestens eine eben dazugelegt worden sein muss. Eine kleine Tabelle gibt genau an, wie viele Punkte welche Kombination bringt. Und die zulässigen Kombinationen - Paar, 2 Paare, Full House, Straße, usw. - sind auch aus diversen anderen Spielen hinreichend bekannt. Netterweise erhält jeder Spieler noch einen Joker - etwas worauf man bei Scrabble hoffen und bei Poker ewig warten kann. Nach dem Legen zieht man jeweils Kärtchen nach. Am Ende der Nachziehkarten spielt jeder Spieler seine Hand noch leer und dann folgt die Wertung. Alle im Spiel erzielten Wertungen werden aufaddiert und Sieger ist der mit der höchsten Gesamtwertung.

Meinung:
High Five! spielt sich flott. Die angegebene Zeit von 30 Minuten wird wahrscheinlich nur ausgeschöpft, wenn man nebenher die verständlich geschriebene Regel lesen muss. Auch die Altersgrenze von 8 Jahren ist angemessen aber nicht zwingend. Die Kartonkärtchen sind stabil und gut gearbeitet und das Steckraster, auf dem die Karten ausgelegt werden stellt beim Aufbau auch niemanden vor Probleme. Das Spiel ist schnell erklärt und eignet sich gut für eine schnelle Abwechslung zwischendurch. Aber der Preis animiert vorerst eher dazu, noch etwas auf die Mitbring-Edition zu warten.

Das Spiel ist bei KOSMOS erschienen und kostet etwa 30 Euro.

 Schwarzer Freitag
Schwarzer Freitag

Das Spiel:
Friedemann Friese ist bekannt für Spiele mit einem gewissen Maß an Zynismus. Mit Schwarzer Freitag liefert er jetzt das Spiel zur Wirtschaftskrise. Bis zu fünf Spieler kaufen und verkaufen Aktien, streichen satte staatliche Subventionen ein und manipulieren die Börse wo sie nur können. Nur wer es schafft, vor dem unvermeidlichen Crash sein Bares in krisensichere Edelmetalle umzuwandeln, kann letztendlich gewinnen.

Der Ablauf:
Man beginnt mit ein paar, durch kleine bunte Köfferchen dargestellte, fast wertlose Aktien und komplett ohne Bargeld. Das erhält man vorerst nur durch Erbetteln von staatlichen Subventionen. Die muss man nie zurückzahlen, nur die lächerlichen Zinsen. Damit kann man eine Weile fröhlich spekulieren und durch ausgeklügelte Mechanismen versuchen, die Preisentwicklungen zu manipulieren. Die Auswahlmöglichkeiten beschränken sich auf Kaufen und Verkaufen von Aktien oder den Kauf von Edelmetallen. Je weiter die Preise steigen, desto volatiler wird der Markt und das Risiko drastischer Kurseinbrüche steigt. So kann es durchaus passieren, dass man nach der Hälfte des Spiels auf einem Berg Silber sitzt, aber mit einem Haufen wertloser Aktien nicht mal mehr die Zinsen seiner Darlehen begleichen kann. Das entbehrt zwar nicht eines gewissen Realismus, ist für die Spielfreude aber etwas abträglich.

Meinung:
Friedemann Friese hat bereits mehrere Spiele mit dynamischen Preissystemen gestaltet. In Fische, Fluppen, Frikadellen oder Fürstenfeld war es aber nur Mittel zum Zweck. In Schwarzer Freitag wird die Notwendigkeit zur Tugend erhoben. Schnell vergisst man, womit man eigentlich handelt und schiebt nur noch bunte Köfferchen über das Brett. Das mag manchem Spieler zu abstrakt sein, kommt aber recht nah an die Realität. Auch das wirklich sehr detailliert modellierte Preissystem bildet viele reale Börsenphänomene erstaunlich gut ab. Aber dieser Detailreichtum führt auch dazu, dass eine Preisanpassung zum aufwändigen Abarbeiten einer langen Liste von Handlungen wird. Genau so eine Liste sucht man in der etwas unübersichtlichen Anleitung leider vergebens. Für Fans von abstrakten strategischen Wirtschaftssimulationen ist Schwarzer Freitag sicher eine neue Herausforderung. Man sollte aber in den ersten Spielen viel Geduld mitbringen, weil es doch etwas Zeit braucht, mit den Regeln warm zu werden.

Schwarzer Freitag ist bei KOSMOS erschienen und kostet etwa 35 Euro.

 
Trans America

Trans America

Das Spiel:
Der Schauplatz: Nordamerika, die Zeit: das 19. Jahrhundert, die Aufgabe: eine Eisenbahnlinie zu den wichtigsten Städten bauen. Eben dieses Ziel das im vorletzten Jahrhundert mit viel Schweiß und Pioniergeist angegangen worden ist, wird in Trans America nachgespielt. Und natürlich streiten sich bei diesem Wettrennen gleich mehrere Spieler um den Ruhm für das Durchqueren des Kontinents.

Der Ablauf:
Jeder Spieler bekommt anfangs 5 Städte zugeteilt, die zu verbinden sind. Ausgehend von einem Startpunkt darf nun jeder Spieler in jeder Runde bis zu zwei Schienensegmente auf den Spielplan legen. Voraussetzung ist, dass die neu gelegten Schienen eine Verbindung zum eigenen Startpunkt haben. Das Interessante ist, dass die Schienennetze der anderen Spieler mit verwendet werden dürfen. So wird am Anfang jeder in einem kleinen Bereich für sich allein bauen und hoffen, dass ein anderer Spieler bereits einen guten Teil des zu überbrückenden Weges baut. Sobald man an ein fremdes Netz angeschlossen ist, kann man dieses mit nutzen. Gleichzeitig stellt man dem Gegner aber auch das eigene Netz mit zur Verfügung.
Sobald ein Spieler die letzte Schiene legt, die alle seine Städte verbindet, wird ausgezählt, wie viele weitere Schienen jeder andere Spieler benötigen würde, um seine Zielstädte zu erreichen. Diese zählen als Minuspunkte. Sobald ein Spieler mehr als 12 Minuspunkte hat, ist das Spiel vorbei.

Meinung:
Aus mathematischer Sicht geht es um die Konstruktion eines Steiner-Baums. Da aber jeder Spieler nur an sich selbst denkt und versucht, es seinen Mitspielern so schwer wie möglich zu machen, ist das entstehende Streckennetz dann häufig ein recht absurdes Gebilde - ganz wie in der Realität.
Trans America ist ein Klassiker unter den taktischen Bauspielen und war 2002 Kandidat für das „Spiel des Jahres". Schnell erklärt und ebenso schnell gespielt ist es eine willkommene Abwechslung zu den teils sehr langwierigen Wirtschafts- und Aufbauspielen. Ein Durchgang, bis der erste Spieler seine Städte verbunden hat, dauert kaum mehr als 5 Minuten und nach 3-5 Durchgängen ist Schluss.
Seit 2005 gibt außerdem Trans Europa, das wie der Name es vermuten lässt, in Europa angesiedelt ist. Obwohl vom Prinzip her identisch zu Trans America, fehlt Trans Europa ein wenig vom Retro-Charme des Originals.

Trans America und Trans Europa sind bei Winning Moves erschienen und kosten jeweils etwa 15 Euro.

 
Triovision

Trivision

Das Spiel:
Sechs Spieler sitzen um ein Spielbrett neben dem diverse Karten ausliegen. Angestrengt schauen sie auf die 8 farbigen Spielfiguren auf dem Brett. Plötzlich ruft einer der Spieler auf und versetzt eine der Spielfiguren und nimmt sich eine der Karten. Die anderen Spieler nicken anerkennend und schon starren wieder alle auf das Brett.

Der Ablauf:
Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Auf insgesamt 60 Karten, von denen immer nur wenige ausliegen, sind Muster von genau 3 Spielfiguren dargestellt. Die muss man jetzt im Kopf so weit drehen, dass man sie auf dem Spielplan entweder so wiederfindet, oder dass das Muster durch das Versetzen nur einer Spielfigur erreicht werden kann. Wer das zuerst schafft, versetzt den Spielstein und erhält die Karte. Eine neue Karte wird ausgelegt und alles beginnt von vorn. Der Spieler mit den meisten Karten am Ende ist Sieger. Geeignet ist das Spiel für 1 bis 6 Spieler ab 7 Jahren.

Meinung:
Es ist selten, dass man ein so simples und doch fesselndes Spielprinzip findet. Triovision bringt problemlos Kinder und Erwachsene an einen Tisch und nicht selten sind es die Jüngeren,  die die Nase vorn haben. Obgleich sehr abstrakt, ist Triovision mal wieder ein schönes Denkspiel für zwischendurch. Ohne großes Aufbauen kann sofort losgespielt werden und nach 20 Minuten ist alles vorbei. Und dass man in dieser Zeit spielerisch sein räumliches Vorstellungsvermögen zu neuen Höchstleistungen anspornt ist ein netter Nebeneffekt und hat dem Spiel eine „spiel gut"-Empfehlung vom Arbeitsausschuss „Kinderspiel+Spielzeug" eingebracht.

Triovision ist bei IQ-Spiele erschienen und kostet etwa 15 Euro. Im Laden ist es unter Umständen schwierig zu finden, kann aber über die Webseite der Herstellers (www.iq-spiele.de) bezogen werden.